Potsdam 2007 - WSV-Rudern

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Fahrtenbericht Pfingsten 2007 in Potsdam
        
-Meint Ihr das richtige Backbord oder wann ist endlich wieder Pfingsten?-

von Thomas Wonik & Daria Krupka

Rudern kann schon ziemlich verwirrend sein: Backbord bleibt auf derselben Seite des Bootes, egal ob man rudert und somit rückwärts fährt oder ob man steuert und in Fahrt­richtung schaut! Dies gilt übrigens auch, wenn man rechts und links gut auseinander halten kann. Sol­che und ähnliche fundamentalen Erfahrungen machten 23 Ruderer des WSV Altwarm­büchen, die sich zu ihrer jährlichen Ruderwanderfahrt zu Pfingsten nach Potsdam an den Wannsee auf den Weg gemacht hatten. Die 18. Veranstaltung dieser Art verzeichnete einen Teilnehmerrekord, so dass zusätzlich zu den mitgebrachten Booten (ein Zweier und drei Vierer – danke an den bewährten Transporteur Klaus) noch ein weiterer Vierer vom Gastge­ber, dem Berliner Ruder-Club Welle-Poseidon (We-Po), ausgeliehen werden musste. „Es ist schon ein schöner Anblick für mich, diese Armada von fünf WSV-Booten auf dem Wannsee – da lohnt sich die aufwändige Vorbereitung“, so Fahrtenleiter Bernhard. Die Länge der ein­zelnen Tagesetappen wählte er so geschickt, dass es bei keinem Ruderer zum Phänomen ‚weh Po’, dem Spitznamen des Gastgebervereins, gekommen ist. Dies gilt auch für die zahl­reichen Newcomer unter den Pfingstwanderfahrern wie insbesondere Alois.

Die Internetseite der Gastgeber übertreibt wahrlich nicht: „Unser Clubhaus mit schönem Grundstück liegt direkt am Wannsee und bietet neben der atemberaubenden Kulisse des Großen Wannsees den idealen Ausgangspunkt zu den Berliner und Brandenburgischen Seen. Das sonnige Gelände mit großem Rasen steht im Sommer allen Mitgliedern zum Sonnenbaden, Faulenzen, Spielen oder Picknicken offen - Erholung garantiert! Unsere eigene Gastronomie versorgt alle aktiven Ruderer und Mitglieder mit erfrischenden Geträn­ken, stärkendem Imbiss und belebenden Gesprächen.“ Unser besonderer Dank gehört Michael und Franky vom We-Po, die uns hervorragend mit Tipps und Ratschlägen sowie fester und flüssiger Nahrung versorgt haben.

Ganz ohne Verluste ging leider auch diese Fahrt nicht ab, immerhin menschelt es bei dieser großen Anzahl von Teilnehmern auch immer ein wenig. Wer kennt nicht das Beispiel des Meteorologen Lorenz (1963) zur bildhaften Veranschaulichung, dass in manchen Systemen kleine Ursachen große, meist unvorhersehbare Wirkungen haben können: Der Schlag eines Schmetterlingsflügels im Amazonas-Urwald kann einen Orkan in Europa auslösen! Ein ähn­liches Beispiel haben die WSVer am eigenen Leib erfahren: Der Fund einer toten Fliege in ei­nem der zur Übernachtung vorgesehenen, vor kurzer Zeit renovierten schönen Zimmer des unmittelbar benachbarten Potsdamer Ruder-Clubs Germania, hat zur direkten Umkehr zweier Teilnehmer nach Hannover geführt.

Der „Frauenachter“ unter der Leitung von Kilometerkönigin Frauke fühlte sich in der Unter­kunft jedoch pudelinnenwohl. Dabei verlief kein Tag ohne irgendwelche Suchaktionen nach Unterlagen, -hosen etc. Höhepunkt war der verschwundene Hausschlüssel, der völlig vergessen am Treppengeländer hing und zunächst Kopfzerbrechen verursachte, wie man ohne ihn je wieder ins Haus gelangen könnte. (Hat Klaus nun eigentlich „Leiterschiss“ oder nicht?)

‚Fartenlighter’ Bernhard muss einen besonderen Draht zu Petrus haben, und dies ist be­son­ders bei drohenden Gewittern auf Gewässern extrem wichtig: Die Etappe am Samstag, bei schwüler,
30 Grad warmen Luft, endete um 17:01 Uhr – um 17:05 Uhr entlud sich ein gewal­tiges Gewitter. Am nächsten Tag legte das letzte Boot um 15:02 Uhr am Steg an; das Pfingst­sonntag-Gewitter begann um 14:59 Uhr, so dass das Duschen ausfallen konnte. Am Montag hatte Bernhard einen größeren zeitlichen Abstand zwischen Rückkehr und Gewitter eingeplant: Offensichtlich hatte er die Abreise einiger, die am Dienstag wieder im Job ge­for­dert waren, mit eingeplant. Beim heimischen Auf(t)riggern (Gruß an unser Küken Alexandra) am WSV-Bootshaus am Altwarmbüchener See am Dienstagabend war Bernhard das Wet­ter scheinbar egal; er und Petrus ließen es als Kontrastprogramm bei 12 Grad spürbar reg­nen.

Sonntagnachmittag standen Fahrrad und Kultur auf dem Programm: Radwanderwart Rein­hold übernahm für einige Stunden die Leitung und brachte uns das geschichtsträchtige Pots­dam näher. Höhepunkte seiner Führung waren das unmittelbar benachbarte Haus der Wann­seekonferenz, das Schloss Cecilienhof, das durch die Potsdamer Konferenz von 1945 bekannt wurde, als die Siegermächte über das Schicksal Deutschlands verhandelten, das Schloss Sanssouci, die romantische russische Kolonie Alexandrowka sowie der 79 m hohe Pfingstberg, der an so einem Tag natürlich auch unbedingt auf dem Programm stehen muss­te und einen herrlichen Rundblick über die wald- und wasserreiche Gegend gestattete. Da­bei bewies Reinhold besonderes Geschick bei der Wahl der Anhaltepunkte: Der Blick auf die Villa von Günther Jauch z.B. war verdeckt durch eine Badenixe, die mehrere Minuten be­nötigte, um ihre Blöße zu bedecken. Noch wird (vorwiegend unter den männlichen Teil­neh­mern) gerätselt, ob Reinhold dieses Highlight organisiert hat, und wenn ja, wie teuer solch eine Einlage wohl ist.

Die Gesprächsthemen beim Frühstück auf dem Balkon mit Millionärs-Blick auf den Wann­see, beim Rudern und bei den Mahlzeiten wiesen die ganze Spannbreite des menschlichen Lebens auf: von der Ursache der Seenkette (Schmelzwasserrinne der letzten Eiszeit vor 20000 Jahren) über die übermäßige Kalorienaufnahme einzelner Fahrtteilnehmer bis zum heimischen Gardinen waschen. Beim traditionellen Samstagabend-Grill machten wir Be­kannt­schaft mit dem Maskottchen des We-Po, einem Fuchs, der sich bis weniger Meter an unsere Gruppe herantraute. Die Reaktionen auf diesen ungewohnten Anblick schwankten von medizinischen Exkursionen über Fuchsbandwürmern über Dressurversuchen zu Aus­sprüchen wie: Jetzt muss ich mir doch noch einen Manta kaufen.

Allen hat es Erholung, viel Spaß, einen Haufen schöner Kontakte, 73 km in die jährliche Fahrtstatistik, braune bzw. rote Bein- und Armvorderseiten und einigen mehr oder weniger viele Blasen an den Händen (gute Besserung an Christine) gebracht, so dass es nicht ver­wundert, dass Wanderruderwart Bernhard noch am Wannsee mehrfach nach dem Ziel der nächsten Pfingstruderwanderfahrt gefragt wurde. Wir jedenfalls haben Pfingsten 2008 schon in unseren Kalendern dick rot markiert.

Die Einladung zur diesjährigen Fahrt beinhaltete ein Rätsel auf Französisch und betraf eine Einladung von Friedrich dem Großen an Voltaire. Dieser Bericht endet ebenfalls mit einem Rätsel: Die Ausleger welchen Bootes befinden sich jetzt fälschlicherweise am Vierer Fango? Kleiner Tipp: Sorciẻre des marais.

Der Eigentümer eines grünen Sharans rätselt ebenfalls: Obwohl Highheels und Abend­garderobe daheim geblieben sind, war der Wagen für die viertägige Reise rappelvoll...



 
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