Pfingsten - WSV-Rudern

- Rudern -
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Archiv > Berichte > 2016

Pfingsten 2016:
Überleben auf der Unterweser oder  Pläne sind da, um geändert zu werden!


Schon die Planung der diesjährigen Pfingstwanderfahrt erwies sich als nicht ganz einfach – Ruderstrecke Vegesack bis Otterndorf, Standquartier in Nordenham. Und da begannen schon die Probleme: Wer bucht wo die Übernachtung? Wir landeten schließlich alle im „Café Lohmann“, aber die letzte Übernachtung sollte sinnvollerweise in Bad Bederkesa erfolgen – also erneute Hotelsuche und Buchung.

Das Gerüst stand – es ging an die Detailplanung: Präludium am Freitag auf der Ochtum, Samstag von Vegesack nach Nordenham,  Sonntag weiter nach Bremerhaven und dort Kulturprogramm, Montag ins Landesinnere nach Bad Bederkesa  und dann der Abschluss bis nach Otterndorf und zurück nach Bederkesa.

Planänderung Nummer 1 vor Fahrtbeginn: das Präludium konnte nicht wie geplant stattfinden, da wegen der Tide das Sperrwerk zur Ochtum geschlossen sein würde. Die Möglichkeiten – Umtragen, Start jenseits des Sperrwerkes - wurden überdacht und verworfen. Tag 1 blieb offen.

Planänderung Nummer 2: Am Montag Fahrzeug nach Otterndorf transferieren, damit die letzte Fahrt nur in eine Richtung zu absolvieren wäre.

Und dann war es endlich so weit, am Freitag vor Pfingsten fuhren die ersten fünf Teilnehmer mit Bus und Hänger pünklich los in Richtung Bremen! Es war windig, und die Wettervorhersage verhieß nichts Gutes. Aber noch war strahlender Sonnenschein, auch bei unserer Ankunft in Vegesack. Die beiden Boote wurden aufgeriggert und mit Abdeckungen an Bug und Heck versehen, Fango wurde zudem mit Auftriebskörpern made by Jürgen versehen. Nun stand die Entscheidung des Tages an: in welche Richtung wollten wir ablegen? Die Entscheidung fiel gegen die Weser, wir ruderten die Lesum aufwärts und bogen dann in die Wümme ab. Dort fand sich eine nette Anlegestelle mit einem  Gasthaus, in dem wir das herrliche Wetter und leckeren Rhabarberkompott mit Rhabarbereis genießen konnten.

Zurück ruderten wir gegen die langsam  ansteigende Flut, aber bei strahlendem Sonnenschein störte das wenig. Von Vegesack aus fuhren wir in unser Quartier in Nordenham, und wir waren kaum mit Duschen fertig, als die nächste Gruppe eintraf. Gemeinsam ging es zum Seeteufel, wo wir unsere hungrigen Mägen mit Fisch und anderen guten Dingen füllten. Nach dem Essen schauten wir noch einmal auf die Weser, trafen bei dieser Gelegenheit noch zwei weitere Nachzügler unserer Gruppe – und schon war der erste Tag der Wanderfahrt beendet.

Beim Frühstück am nächsten Morgen lernten wir unseren Wirt kennen: ein Konditormeister, und beim Anblick seiner Torten lief uns das Wasser im Munde zusammen. Aber das Frühstück war auch gut, besonders der Tee: echter Ostfriesentee, mit Kluntjes und Wölkchen!

Das Wetter war weniger vielversprechend. Dennoch machten wir uns frohen Mutes auf den Weg nach Vegesack. Dort wurden wir bereits von Dagmar erwartet, die frisch angereist war und sich für den ersten Abschnitt freiwillig zum Landdienst gemeldet hatte.

Material an den Steg bringen, Bootseinteilung, Sicherheitseinweisung – dann ging es endlich los! Das erste Stück auf der Lesum ließ sich noch gut bewältigen, aber auf der Weser produzierte der Wind ordentliche Wellen. Die Strecke entlang der Werften schien mir länger geworden zu sein, was daran lag, dass wir bei Gegenwind nur langsam vorankamen. Es zeigte sich auch als ratsam, in Regenjacke und Regenhose zu rudern – nicht wegen Dauerregen, sondern weil immer wieder Wellen gegen die Ausleger schlugen und Wasser ins Boot lief. Mehrmals mussten wir schöpferisch tätig werden. Während die Fango brav auf der Westseite blieb, wechselte die Mannschaft der Moorvenus auf die östliche Weserseite, was allerdings auch keinen Vorteil brachte. Allerdings gönnten sie sich einen kurzen Landgang vor dem U-Boot-Bunker Valentin.

Nach kräftigem Pullen kam endlich Harriersand und damit das geplante Zwischenziel in Sicht. Die Moorvenus hingegen war mal wieder außer Sichtweite. Als wir am Strand landeten, kam uns eine sichtlich erleichterte Dagmar entgegen – sie hatte sich angesichts des stürmischen Wetters schon Sorgen gemacht. Und während die ersten ein stilles Örtchen aufsuchten, um sich trocken zu legen, landete auch die Moorvenus mit einer sichtlich fröstelnden Mannschaft. Besonders Reinhold zog einen abendlichen Saunabesuch in Erwägung – mit „Ruderpulliaufguß“ zum Trocknen seiner nassen Klamotten. Beim aufwärmenden Kaffee und Süppchen siegte ausnahmsweise mal die Vernunft: Die zweite Tagesetappe wurde nicht mehr angetreten, wir hofften auf besseres Wetter am Sonntag.

Zum Glück war der Bus vor Ort, so dass ein Teil der Gruppe nach Vegesack aufbrechen und dort die Fahrzeuge abholen konnte. Und gerade noch rechtzeitig vor der Abfahrt fiel Regina auch ein, dass Jürgen den Autoschlüssel hatte, den sie in Vegesack brauchen würde… Von Vegesack aus fuhr Dorothee wieder nach  Harriersand, um die dort verbliebenen abzuholen  – trotz der Kurverei blieb später nach dem Duschen noch Zeit, den köstlichen Kuchen im Kaffee Lohmann zu kosten.

Für den Abend hatte der Fahrtenleiter an alte Traditionen anknüpfend ein Grillen auf dem Gelände des Nordenhamer Rudervereins geplant. Die Zutaten dafür hatten Dorothee und Regina besorgt, das einzige, was fehlte, war ein Grill! Das vereinseigene Gerät der Ruderkameraden aus Nordenham ließ sich nicht finden, so dass schließlich 10 Euronen in einen Wanderfahrtsgrill investiert werden mussten. Die Arbeitsteilung war klassisch: während sich die Herren um das Fleisch kümmerten, bereiteten die Damen Salat und Buffet vor. Nach dem Essen genossen wir noch den herrlichen Blick auf die so ruhig anmutende Weser vor dem Fenster. Vielleicht sollten wir die Ruderei besser auf die Abendstunden verlegen? Bei der Unterhaltung ging es um fangfrische Föhn-Bö(e)n, jugendliche Wolkenzungen und die Frage nach dem Höhepunkt des Tages – für Reinhold übrigens der Einstieg in Dagmars Hose… Während die Fango-Besatzung eindeutig einen Seehund auf der Weser gesichtet hatte, stellte sich Nicole die Frage, ob sie ein Seehundheulen oder einen Pups gehört hatte?

Tag 3, der Pfingstsonntag, knüpfte wettertechnisch an  den Vortag an. Würden wir bis Bremerhaven rudern können? Hoffnungsvoll fuhren wir nach Brake, um mit der Fähre zu unseren Booten auf Harriersand überzusetzen. Alois übernahm derweil den Landdienst und damit verbunden die Rückführung der Fahrzeuge nach Nordenham.

Todesmutig stürzten wir uns mit den Booten vom Strand in die Fluten der Weser! Mit vielen kräftigen Schlägen erreichten wir die andere Seite des Flusses – und mussten erst einmal zu Schwamm und Schöpfgerät greifen. Langsam kämpften wir uns voran. Jürgens Plan war, auf der Westseite der Strohhauser Plate zu fahren. Leider verpassten wir die Einfahrt und mussten uns weiter über die wellenreiche Weser plagen. Als wir endlich den Steg in Nordenham erreichten, war – außer vielleicht Alois – wohl keiner unter uns, der noch große Lust zum Weiterrudern nach Bremerhaven verspürte. Also wurden die Boote aufgeladen und auf dem Landweg  zum dortigen Ruderverein gebracht.

Am Nachmittag fand der kulturelle Teil der Wanderfahrt statt: Die Besichtigung des Auswandererhauses stand auf dem Plan. Dabei hatten wir nicht eingeplant, dass feiertags- und witterungsbedingt auch Unmengen anderer Menschen die nebeneinander liegenden Sehenswürdigkeiten Bremerhavens besuchen wollten. Entsprechend schwierig gestaltete sich die Parkplatzsuche. Aber schließlich gab es sogar noch einen Kaffee und dann den Museumsbesuch.

Die Ausstellung war beeindruckend und hatte wohl für jeden faszinierende Höhepunkte – sei es die Entdeckung eines Riemenergometers in einem Film, die zahlreichen nach unserer Landeshauptstadt genannten Orte in den USA, ein Foto im Auswandereroutfit oder die Entdeckung einer Schallplatte, die man sich in Jugendjahren auch einmal gekauft hatte… Mit vielen neuen Eindrücken brachen wir wieder in Richtung Nordenham auf.

Da die letzte Fähre bereits um 18:20 ablegen sollte, hatten wir für die Fahrt den Landweg eingeplant. Klaus fuhr dennoch am Fähranleger vorbei – und siehe da, die Fähre war noch da und hatte sogar ein Plätzchen für den Bus!  So kam ein Teil der Gruppe in den Genuss einer Weserüberfahrt ohne Kraftaufwand.

Der Abend fand seinen kulinarischen Abschluss im von unserer entschwundenen Ruderkameradin Frauke empfohlenen Landhaus Tettens – und einem kurzen Aufstieg auf den Deich für ein paar Fotos.

Am Montag mussten wir unser Quartier in Nordenham räumen, bevor es nach Bremerhaven zu unseren Booten ging. Dort stand vor dem Rudern wieder einmal das Riggern – und Fahrzeugüberführung nach Bederkesa, denn wegen Melanies Abreise waren wir nur noch 10 und hatten keinen Landdienst mehr.

An diesem Tag konnte endlich das gewohnte Wanderfahrtsfeeling aufkommen: Jenseits des Sperrwerkes ließ es sich auf dem Elbe-Weser-Schifffahrtsweg, der kanalisierten Geeste, herrlich rudern – wenig Verkehr, ein paar Kurven und Blick auf viel Landschaft. Zu unserem Glück fehlte eigentlich nur noch eine schöne Anlegemöglichkeit…

Kurz vor unserem Tagesziel war noch eine Schleuse zu passieren. Klaus verließ das Boot, um die Anlage in Betrieb zu nehmen: Anleitung durchlesen – Bezahlung erforderlich, also Geld einwerfen, dann Knöpfe drücken – nichts passierte! Lesen, drücken – schließlich Anruf beim Schleusenwärter und Bitte um Hilfe. Währenddessen tauchte unerwarteter Besuch aus der Ruderfamilie auf: Holger mit Tochter Fenja. Und die machten dann auch die Entdeckung, dass das hintere Schleusentor nicht geschlossen war (hatte Klaus nicht gerade anderes behauptet?). Und siehe da: nachdem das Tor zu war, ließ sich die Schleuse kinderleicht in Gang bringen, so dass wir unsere Fahrt fortsetzen konnten.

Kurz darauf gab es noch eine ganz besondere Überraschung: von einer Brücke hingen zwei Schnüre mit jeweils 5 Schnäpsen! Am Steg des Kanuvereins in Bederkesa konnten wir uns  bei den Hitzis - Holger und Fenja – für diese tolle Idee bedanken, bevor die Riggerschlüssel wieder zum Einsatz kamen, denn für die Hälfte von uns endete die Fahrt an diesem Tag.

Bus und Hänger mit Boot mussten noch nach Otterndorf überführt werden. Als Klaus bei der Abfahrt vom Grundstück des Kanuvereins auf den Weg Richtung Straße abbog, jagte er uns einen gewaltigen Schrecken ein: Er fuhr mit dem Wagen auf den Wall vor dem Kanal, als das Fahrzeug in gewaltige Schieflage geriet und plötzlich das rechte Hinterrad deutlich vom Boden abhob! Es folgte erleichtertes Aufatmen bei allen Anwesenden, als die Situation gerettet war.

Die Fahrt nach Otterndorf und dortige Suche nach dem Weg zum Ruderverein bezeichnete Klaus später als „zweites Babbenhausen“, ähnlich wie bei damaliger Fahrt (17.11.2012!) mit Hänger eine komplizierte Kurverei.

Und dann brach auch schon der letzte Tag unsere diesjährigen Pfingstwanderfahrt an – mit nur noch einem Boot ruderten wir nach Otterndorf. Dort waren bereits die Vorbereitungen für die eine Woche später stattfindende Regatta getroffen, so dass wir die markierte 1000 m lange Strecke  entlangruderten und nun behaupten können, auch schon mal in Otterndorf gestartet zu sein….

Zum Schluss ein herzliches Dankeschön an unseren Fahrtenleiter Klaus Gratz für diesen außergewöhnlichen Ausflug! Er fasste die Fahrt in einer Mail sehr treffend zusammen: „Einer der schönsten Momente der Pfingstfahrt war sicherlich die hängende Brückenüberraschung in Bad Bederkesa. Den Hitzwebels ein großes Dankeschön! Ansonsten haben alle überlebt und dürfen sich Teilnehmer an der härtesten Wanderfahrt des WSV schimpfen, sturmerprobt, ohne Angst vor dem blanken Hans, gestählt zum Schluß durch regelmäßige Dicke auf dem Weser-Elbe-Schifffahrtsweg infolge einer Überdosis Joghurt in Alois´ Frühstück.“

Und dann noch ein Gruß an unsere Segelsparte: am letzten Wanderfahrtstag wurde die Durchnummerierung der Ruderplätze umgewandelt in „Klüver, Fock, Großsegel und Besan“

DK


 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü